Schwanger in der Ausbildung oder im Job

Wenn du in der Ausbildung bist oder ganz am Anfang deines Berufslebens stehst, kannst du dir vielleicht gar nicht vorstellen, wie du jetzt auch noch ein Kind bekommen und großziehen sollst. Aber du hast ein Recht auf Hilfe.

Du bist nicht verpflichtet, deine Schwangerschaft an deinem Arbeitsplatz bekannt zu geben. Trotzdem kann es wichtig sein, deine Arbeitgeberin oder deinen Arbeitgeber frühzeitig zu informieren – Ihr könnt dann über Beschäftigungspausen, Mutterschutzfristen oder eine Babypause nach der Geburt sprechen.

Deinen Arbeitgeber oder deine Arbeitgeberin von deiner Schwangerschaft zu informieren, ist auch die Voraussetzung dafür, dass das Unternehmen die Schutzvorschriften für Schwangere am Arbeitsplatz einhalten kann und muss.

Kündigungsschutz für dich

Während der Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Geburt deines Kindes kann dir nicht gekündigt werden, auch nicht in der Probezeit. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen von deiner Schwangerschaft bzw. Geburt weiß. Für den Kündigungsschutz reicht es aber auch aus, wenn du die Schwangerschaft oder die Geburt innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung bekannt gibst.

Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

Das Mutterschutzgesetz schützt Schwangere und Stillende auch am Arbeitsplatz. Eine ganze Reihe von Arbeiten dürfen von Schwangeren entweder grundsätzlich nicht oder gegen Ende der Schwangerschaft nicht mehr ausgeführt werden. Diese Beschäftigungsverbote gelten zum Beispiel für schwere körperliche Arbeiten oder für den Umgang mit giftigen Gasen, Dämpfen und Stäuben. Eine genaue Auflistung steht im Mutterschutzgesetz. Auskunft geben können auch das Gewerbeaufsichtsamt, der Betriebs- oder Personalrat oder die Schwangerschaftsberatungsstelle.

Wenn die Arbeit, die du normalerweise im Unternehmen machst, unter ein solches Beschäftigungsverbot fällt, muss dir entweder ein anderer Arbeitsplatz im Unternehmen gegeben werden oder du wirst von der Arbeit freigestellt. Das heißt, du musst nicht arbeiten, die Ausbildungsvergütung oder der Arbeitslohn wird in dieser Zeit aber weitergezahlt.

Wenn du „im Mutterschutz“ bist

Sechs Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin beginnt die sogenannte Mutterschutzfrist. Sie dauert mindestens bis zum Ablauf von acht Wochen nach der Geburt. Bei einer Frühgeburt oder Zwillingen verlängert sich der Mutterschutz nach der Geburt auf zwölf Wochen. In der Mutterschutzzeit vor der Geburt kannst du auf eigenen Wunsch weiter zur Arbeit oder zur Berufsschule gehen. In den acht (oder zwölf) Wochen nach der Geburt gilt dagegen ein grundsätzliches Beschäftigungsverbot im Betrieb.

An die Stelle deiner Arbeits- oder Ausbildungsvergütung tritt während der Mutterschutzfrist das Mutterschaftsgeld. Das bedeutet, dass wenn du Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse bist, diese – auf Antrag – während der Mutterschutzfristen 13 Euro Mutterschaftsgeld pro Tag, also 390 Euro pro Monat an dich zahlt. Wenn du kein Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse bist, also beispielsweise privat oder familienversichert bist, erhältst du – auf Antrag – das Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt, insgesamt höchstens jedoch 210 Euro.

Ist dein tägliches Arbeitsentgelt oder die Ausbildungsvergütung netto höher als 13 Euro, zahlt dir dein Arbeitgeber zusätzlich den Unterschiedsbetrag zwischen 13 Euro und dem um die gesetzlichen Abzüge verminderten durchschnittlichen kalendertäglichen Arbeitsentgelt. Bekommst du zum Beispiel normalerweise eine Ausbildungsvergütung von 520 Euro monatlich, so erhältst du beispielsweise als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse während der Mutterschutzfrist 390 Euro von der gesetzlichen Krankenkasse und 130 Euro von deiner Arbeitgeberin oder deinem Arbeitgeber.

Die Zeit, in der du wegen der Vorschriften des Mutterschutzgesetzes von der Arbeit im Betrieb freigestellt bist, wird nicht auf deinen Jahresurlaub angerechnet.

Arbeiten oder Ausbildung mit Kind

Damit du nach der Entbindung weiter arbeiten oder deine Ausbildung beenden kannst, muss die Kinderbetreuung geregelt sein. Da vielerorts die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren noch nicht gedeckt ist, ist es sinnvoll, sich frühzeitig – möglichst schon während der Schwangerschaft – über Betreuungsmöglichkeiten, anfallende Kosten etc. zu informieren. Näheres dazu findest du hier.

Besonderheiten in der Ausbildung

Bevor du in Mutterschutz gehst, ist es wichtig, wegen der voraussichtlichen Fehlzeiten (Mutterschutz und möglicherweise Elternzeit) gemeinsam mit deiner Arbeitgeberin oder dem Arbeitgeber bei der zuständigen Kammer die Verlängerung der Ausbildungszeit zu beantragen. Es gibt auch die Möglichkeit einer Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit, so dass du die Ausbildung in Teilzeit absolvieren kannst.

Das Beschäftigungsverbot während der Mutterschutzfrist gilt nicht für die Berufsschule. Du kannst also zum Unterricht gehen oder an einer Prüfung teilnehmen, wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.

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Sind deine Fehlzeiten zu lang, um zur Prüfung zugelassen zu werden? Hier kann ein Gespräch mit dem oder der Vorsitzenden des Prüfungsausschusses weiterhelfen. Den Kontakt kann dein Ausbildungsbetrieb herstellen. Übrigens: Abschlussprüfungen finden alle sechs Monate statt. Wenn du dich von der Schwangerschaft und der Geburt geschwächt fühlst, kannst du auf den nächsten Prüfungstermin hin arbeiten, ohne allzu viel Zeit zu verlieren.

Und sonst?

In Schwangerschafts- oder Familienberatungsstellen findest du ein offenes Ohr, Informationen und Unterstützung in allen Fragen rund um deine Schwangerschaft. Die Beraterin oder der Berater kann bei Problemen helfen, eine Lösung zu finden, bei Konflikten vermitteln und dich bei Behördenangelegenheiten unterstützen. Dort findest du auch Informationen und Unterstützung rund um die erste Zeit mit Kind – etwa wenn es darum geht, die Kinderbetreuung zu organisieren. In Krisensituationen gibt es in Beratungsstellen auch eine psychologische oder psychosoziale Beratung.

Auf die Angebote der Schwangerschaftsberatung hast du auch nach der Geburt deines Kindes einen gesetzlichen Anspruch.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 28.08.2014