Will ich Vater werden?

Die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch muss in den ersten drei Monaten getroffen werden. Die letzte Entscheidung liegt bei der werdenden Mutter. Deine Meinung als Vater ist trotzdem sehr wichtig - besonders, wenn deine Freundin unsicher ist.

Junge läuft die Treppe hoch. © Getty Images
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Spätestens bis zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats muss klar sein: Wollt ihr das Kind oder wollt ihr einen Schwangerschaftsabbruch? Ein Abbruch ist nur innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen nach Empfängnis unter bestimmten Bedingungen möglich. Später ist er nur noch erlaubt, wenn die Gesundheit der Mutter durch die Schwangerschaft gefährdet ist (medizinische Indikation).

Um nicht unter Zeitdruck zu geraten, werdet ihr am besten schon beim ersten Verdacht aktiv und prüft, ob eine Schwangerschaft besteht. Ein deutliches Anzeichen für eine Schwangerschaft ist das Ausbleiben der Menstruationsblutung. Ab dem Zeitpunkt, an dem deine Freundin eigentlich ihre Tage bekommen sollte, könnt ihr einen Schwangerschaftstest machen. Du kannst ihn rezeptfrei in Drogerien oder Apotheken für rund 10 Euro kaufen. Vielleicht findest du vorher heraus, wo ein solcher Test besonders günstig angeboten wird.

Manchmal fehlen die typischen Anzeichen für eine Schwangerschaft aber auch oder sie werden nicht wahrgenommen. Oder ein durchgeführter Schwangerschaftstest fällt negativ (= nicht schwanger) aus, weil bei der Anwendung Fehler passiert sind. Dann kann es mehrere Wochen dauern, bevor man bemerkt, dass eine Schwangerschaft besteht. Deshalb ist ein Schwangerschaftstest zuviel besser als einer zu wenig, wenn das Testergebnis negativ oder unklar war. 

Du bist gefragt

Manche Paare sind sich schnell einig, ob sie das Kind bekommen wollen oder nicht. Für viele kommt die Schwangerschaft aber völlig überraschend, und sie brauchen Zeit, um sich darüber klar zu werden. Es kommt auch häufig vor, dass man unterschiedlicher Meinung ist und über die „richtige“ Entscheidung erst noch streiten muss.

Rechtlich gesehen darf eine Schwangere weder zu einem Abbruch noch zum Austragen der Schwangerschaft gezwungen werden. Selbst als werdender Vater hast du kein Entscheidungsrecht, obwohl du in besonderer Weise betroffen bist. Wenn du dich deshalb ohnmächtig fühlst und wütend bist, ist das verständlich. Atme tief durch und mach dir klar, dass du die Situation akzeptieren musst. Wenn du jetzt die Nerven verlierst, kannst du vieles kaputt machen.

Deine Freundin braucht dich, um sich mit dir zu beraten und die Verantwortung für die Entscheidung zu teilen – gerade dann, wenn sie sich selbst nicht ganz sicher ist, was sie tun möchte. Habt ihr beide unterschiedliche Vorstellungen, macht es wenig Sinn, sich nur zu streiten. Es ist, wie es ist: Sie ist schwanger. Versucht gemeinsam herauszufinden, welche Dinge für ein Leben mit Kind sprechen und welche dagegen. Dabei ist eine Beratung meist eine wertvolle Hilfe.

Die eigene Meinung herausfinden

Deine Meinung zur Schwangerschaft ist vielleicht mehr gefragt, als du glaubst. Doch welche Meinung hast du? Hast du dir schon Gedanken dazu gemacht, wie eine gemeinsame Entscheidung aussehen könnte? Vielleicht helfen dir folgende Fragen, mehr Klarheit zu bekommen:

  • Was gefällt dir an der Vorstellung, jetzt schon ein Kind zu haben?
  • Was macht dir „Bauchschmerzen“, wenn du ans Vaterwerden denkst? Hast du eine Hauptsorge?
  • Wie gut verstehst du dich mit deiner Freundin? Möchtest du mit ihr zusammen ein Elternpaar werden?
  • Wie könnte es in der Ausbildung und im Beruf mit dir weitergehen, wenn du ein Kind hättest? Bist du darüber informiert, welche Möglichkeiten finanzieller Unterstützung es für junge Familien gibt?
  • Bist du gut über den Schwangerschaftsabbruch informiert (Fristen, Kosten, Art der Durchführung usw.)? Hast du grundsätzliche, zum Beispiel moralische Bedenken?
  • Könntest du dir vorstellen, euer Kind vielleicht zur Adoption freizugeben oder es übergangsweise in einer Pflegefamilie unterzubringen?
  • Wer könnte euch unterstützen?
  • Wer könnte dir helfen, wenn das Kind da ist?

Mit dem Abbruch umgehen

Ein Schwangerschaftsabbruch ist keine leichte Entscheidung. Seid ihr zu der Entscheidung gekommen, einen Schwangerschaftsabbruch zu wollen, kann dieser Schritt für dich und deine Freundin eine Erleichterung sein. Genau so gut kann es aber passieren, dass ihr traurig seid. Wenn du eigentlich gern Vater geworden wärest, bist du vielleicht auch wütend auf deine Freundin. Doch auch wenn du gegen den Schwangerschaftsabbruch warst, musst du akzeptieren, dass deine Freundin sich dafür entschieden hat.

Wenn du möchtest, kannst du deine Freundin bei einem Schwangerschaftsabbruch in die Arztpraxis oder Klinik begleiten. Voraussetzung ist natürlich, dass sie sich das wünscht. Auch wenn sie nach dem Abbruch wieder zu Hause ist, wäre es schön, wenn du für sie da bist.

Wenn du merkst, dass du selbst jemanden brauchst, der sich um dich kümmert, ist das völlig normal. Schließlich ist es auch dein Kind gewesen, das nun nicht auf die Welt kommen wird. Manchmal fällt das Abschiednehmen leichter, wenn man ein kleines Ritual veranstaltet: Du kannst zum Beispiel einen Stein mit dem Wunschnamen eures Kindes in einen Fluss werfen, zu Sylvester eine Rakete in den Himmel schießen oder dir etwas ganz anderes überlegen, was zu dir passt.