Eure Erfahrungen

Ich stehe zu meiner Entscheidung

Miriam P. war 14, als sie schwanger wurde. Damals hat sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden. Auch heute, mit 19 Jahren, ist sie davon überzeugt, dass die Entscheidung richtig war.

"Angst, nicht stark genug zu sein"

Mit vierzehn Jahren bin ich schwanger geworden, ungewollt natürlich. Ich war in der sechsten Woche, als mein Arzt es mir bestätigt hat. Ich musste dann allein entscheiden, was geschehen sollte. Mein Freund stand nicht hinter mir, wollte das Kind nicht.

Meine Eltern waren zwar zuerst geschockt, aber sie haben mich zu nichts gedrängt. Sie haben mir auch versprochen, mir zu helfen, wenn ich das Kind behalten wollte. Aber ich habe mich dann doch für den Abbruch entschieden. Ich wollte doch auf jeden Fall die Schule zuende machen, und mit einem Kind konnte ich mir das nicht vorstellen. Ich hatte Angst, dass ich nicht stark genug sein würde, um das alles unter einen Hut zu bringen.

"Keine seelischen Schmerzen davongetragen"

Körperlich habe ich den Abbruch trotz Betäubung als sehr unangenehm in Erinnerung. In den ersten Tagen nach dem Abbruch hatte ich leichte Unterleibskrämpfe, ich habe mich einfach nicht gut gefühlt. Aber ich kann sagen, dass ich seelisch keine Schmerzen davongetragen habe.

Das Ganze ist jetzt schon fünf Jahre her, und heute fällt es mir leichter, darüber zu reden. Aber ich habe auch damals keine schlimmen Reuegefühle gehabt oder mir selbst Vorwürfe gemacht. Nur wenn ich Schwangere gesehen habe, bin ich traurig geworden, erst recht wenn es Freundinnen oder Bekannte waren. Das geht mir manchmal heute noch so.

"Ich wäre nicht da, wo ich jetzt bin"

Ich weiß nicht, was aus meinem Leben geworden wäre, wenn ich nicht einen Schwangerschaftsabbruch gemacht hätte. Mein Kind wäre jetzt fünf Jahre alt und käme nächstes Jahr in die Schule. Manchmal frage ich mich, ob ich es vielleicht doch hätte schaffen können. Aber es zerreißt einen zu sehr, wenn man sich zu oft vorstellt, wie das Leben aussehen würde, wenn man sich in bestimmten Momenten anders entschieden hätte.

Jetzt bin ich bald fertig mit der Schule will ich erst mal eine Reise machen. Alles in allem bin ich mir sicher, dass es richtig war, das Kind nicht zu bekommen. Ich wäre wohl nicht da, wo ich heute stehe.